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Börsen in Europa Schluss: Deutliche Verluste, Schuldenkrise zurück auf dem Parkett


20.07.2012
aktiencheck.de

Paris (www.aktiencheck.de) - Die wichtigsten europäischen Aktienmärkte haben sich mit deutlichen Verlusten ins Wochenende verabschiedet. Die Ankündigung der EZB, vorerst keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheiten für Refinanzierungsgeschäfte zu akzeptieren und der Anstieg spanischer Renditen auf ein neues Rekordniveau setzten die Kurse am Nachmittag massiv unter Druck. Der Dow Jones EURO STOXX 50 (ISIN EU0009658145 / WKN 965814) verlor 2,83 Prozent auf 2.237,33 Punkte. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 (ISIN EU0009658160 / WKN 965816) gab um 1,48 Prozent auf 2.446,45 Zähler nach.

Auch die europäischen Länderbörsen schlossen durchweg mit klaren Einbußen. Massiv unter Druck standen dabei insbesondere die Börsen in Mailand und Madrid. Während der italienische MIB mit einem Abschlag von 4,4 Prozent aus dem Handel ging, rutschte der spanische IBEX sogar um 5,8 Prozent ein. Vergleichsweise stabil hielt sich der schweizerische SMI mit einem Tagesminus von 0,6 Prozent.

Das britische Office for National Statistics (ONS) ermittelte im Rahmen des PSNB (Public Sector Net Borrowing)-Finanzierungsplans einen höheren Fehlbetrag für Juni 2012. So hatte die Öffentliche Hand einen Fehlbetrag (ohne Finanzinterventionen) in Höhe von 14,4 Mrd. Britischen Pfund (GBP), nach einem Finanzierungsbedarf von 13,9 Mrd. GBP im Vorjahresmonat. Die Prognose der Volkswirte hatte auf ein Minus von 13,4 Mrd. GBP gelautet.

Vodafone (ISIN GB00B16GWD56 / WKN A0J3PN) veröffentlichte heute sein Interim Management Statement für das erste Quartal. Demnach war der Konzernumsatz im Quartal zum 30. Juni rückläufig. Organisch ergab sich allerdings ein leichter Zuwachs. Der Free Cash-Flow nahm unterdessen um fast ein Viertel ab. Indes hält Vodafone an seinem Ausblick für das Gesamtjahr fest. Die Aktie verbilligte sich um 1,7 Prozent. Ganz oben auf dem Einkaufszettel der Investoren standen im FTSE 100 die Anteilsscheine von United Utilities mit einem Aufschlag von 1,1 Prozent, während die rote Laterne von Evraz mit einem Wertverlust von 6,4 Prozent getragen wurde.

Im breiten Markt gaben London Stock Exchange (LSE) (ISIN GB00B0SWJX34 / WKN A0JEJF) um 1,6 Prozent nach. Der Börsenbetreiber steht einem Medienbericht zufolge möglicherweise vor einem Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Singapore Exchange (SGX). Wie es unter Berufung auf informierte Kreise heißt, haben die LSE und die Singapore Exchange zuletzt diesbezüglich mehrere informelle Gespräche geführt. Den Angaben zufolge befinden sich die Verhandlungen derzeit noch in einem sehr frühen Stadium.


Scania (ISIN SE0000308280 / WKN 899846) legten um 4,3 Prozent zu. Der Nutzfahrzeughersteller musste im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang ausweisen. Der Umsatz war ebenfalls rückläufig. Die Zahl der Fahrzeugauslieferungen sank um mehr als ein Viertel. Allerdings hat sich der Auftragseingang im Berichtsquartal (19.587 Modelle) gegenüber dem ersten Quartal 2012 (Auftragseingang: 15.809 Modelle) verbessert. Trotz der zuletzt positiven Tendenz beim Auftragseingang blickt Scania weiterhin vorsichtig in die Zukunft. Man werde vor dem Hintergrund der schwierigen Gesamtsituation den Fokus weiterhin auf eine weitere Flexibilisierung der Produktionskapazitäten legen. Swedish Match (ISIN SE0000310336 / WKN 900439) schlossen daneben um 1,0 Prozent fester. Der Tabakkonzern konnte im zweiten Quartal mit einem Umsatz- und Ergebnisanstieg aufwarten.

Die französischen Frühindikatoren sind im Mai nach Angaben des Conference Board leicht zurückgegangen. Demnach schrumpften die Frühindikatoren auf Monatssicht um 0,2 Prozent. Für April war ebenfalls ein Rückgang des Index um 0,2 Prozent ermittelt worden. Publicis Groupe (ISIN FR0000130577 / WKN 859386) hat Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr verbessert, obwohl das Umsatzwachstum im zweiten Quartal relativ schwach ausfiel. Beim Ausblick geht der Werbekonzern weiterhin davon aus, im zweiten Halbjahr ein höheres Wachstum zu erzielen als im ersten Halbjahr. Der Titel gewann 2,7 Prozent an Wert. Renault (ISIN FR0000131906 / WKN 893113) schlossen 2,1 Prozent schwächer. Der Automobilkonzern verlautbarte, dass er zusammen mit dem japanischen Partner Nissan Motor (ISIN JP3672400003 / WKN 853686) 160 Mio. US-Dollar in Korea investieren wird, um der erwarteten Nachfrage nach dem Modell Nissan Rogue der nächsten Generation gerecht zu werden und das Wachstum von Renault Samsung Motors zu beschleunigen.

EADS (ISIN NL0000235190 / WKN 938914) verteuerten sich nach einem positiven Analystenkommentar an der Spitze des CAC 40 um 3,9 Prozent. Bereits gestern meldete der Konzern zudem, dass Astrium einen Vertrag über die Lieferung von Telekommunikationsprodukten für den Satelliten Jabiru-1 von NewSat geschlossen hat, den Lockheed Martin (ISIN US5398301094 / WKN 894648) als Hauptauftragnehmer baut. Schließlich teilte Air Liquide (ISIN FR0000120073 / WKN 850133) gestern mit, dass man das spanische Unternehmen Gasmedi für 330 Mio. Euro übernehmen wird. Der Titel gab um 1,5 Prozent nach. Am Indexende verschlechterten sich Crédit Agricole um 6,4 Prozent.

Heineken (ISIN NL0000009165 / WKN A0CA0G) verlautbarte, dass man dem Joint Venture-Partner Fraser & Neave (F&N) (ISIN SG1T58930911 / WKN A0J3Q3) ein Angebot zum Erwerb von dessen direkten und indirekten Anteilen an der Asia Pacific Breweries Ltd. (APB) unterbreitet hat. Dabei ist Heineken bereit, F&N für jede APB-Aktie 50,00 Singapur-Dollar (SGD) zu zahlen, was einem Gesamtvolumen von 5,1 Mrd. SGD entspricht. Zudem bietet Heineken 163 Mio. SGD für die F&N-Anteile an den Nicht-APB Assets der Asia Pacific Investment Pvt Ltd. (APIPL), eines 50/50 Joint Ventures zwischen Heineken und F&N. Im Anschluss wird der Heineken-Konzern ein generelles Angebot in Höhe von 50,00 SGD pro Aktie zum Erwerb aller APB-Anteile vorlegen, die sich noch nicht in seinem Besitz befinden. Das Gesamtvolumen dieser Offerte liegt bei maximal 2,4 Mrd. SGD. Die Heineken-Aktie stieg um 0,8 Prozent.

Sulzer (ISIN CH0038388911 / WKN A0NJPK) legen um 4,1 Prozent zu. Der Technologiekonzern konnte im ersten Halbjahr mit einem Umsatz- und Ergebnisanstieg aufwarten. Profitiert hat man vor allem von der starken Entwicklung in den Kernabsatzregionen Asien-Pazifik und Nordamerika. Für das laufende Fiskaljahr erwartet Sulzer ein hohes einstelliges Wachstum von Bestellungseingang und Umsatz. Die Rentabilität dürfte nach Einschätzung des Konzerns im zweistelligen Bereich bleiben. Im schweizerischen Leitindex SMI wiesen mit ABB und Novartis lediglich zwei Werte grüne Vorzeichen aus, während sich die Anleger gleichzeitig bevorzugt von den Titeln der UBS trennten, die am Indexende um 4,4 Prozent nachgaben.

In Österreich schlossen Wolford (ISIN AT0000834007 / WKN 893975) mit 0,4 Prozent im Minus. Der Modekonzern musste das Geschäftsjahr 2011/12 (01. Mai 2011 bis 30. April 2012) mit einem Gewinnrückgang von über 70 Prozent abschließen, konnte gleichzeitig den Umsatz aber leicht steigern. Zudem erwartet man weiteres Wachstum für 2012/13.

Dow Jones EURO STOXX 50: 2.237,33 (-2,83 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.446,45 (-1,48 Prozent) FTSE 100 (London): 5.651,77 (-1,09 Prozent) CAC40 (Paris): 3.193,89 (-2,14 Prozent) MIB (Mailand): 13.067,22 (-4,38 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 6.246,30 (-5,82 Prozent) SMI (Zürich): 6.284,81 (-0,61 Prozent) ATX (Wien): 1.980,00 (-1,32 Prozent) (20.07.2012/ac/n/m)



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